Hermann Heinrich Eduard Faltin

Hermann Heinrich Eduard Faltin war das zweitgeborene Kind von Johan Friedrich Leopold Faltin und dessen Frau Juliane Dorothee Faltin, geb. v. Vietinghoff. Hermann Faltin ist der direkte Vorfahr des Verfassers dieser Webseite.

Geboren in Libau

Hermann Faltin, Riga, ca. 1865
Hermann Faltin, Riga, ca. 1865

Hermann Heinrich Eduard Faltin wurde am 9. Januar 1816 in der kurländischen Hafenstadt Libau geboren. Seine Eltern waren der aus Ostpreussen gebürtige Tierarzt Johann Friedrich Leopold Faltin und dessen Ehefrau Juliane Dorothee geb. v. Vietinghoff. Hermann Faltin wurde am 23.01.1816 in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche zu Libau getauft. Unter Hermann Faltins Taufpaten waren ein Arzt Harmsen ein Doktor Wohnhaas und ein Herr von Fircks. Die ersteren beiden  werden wohl Berufskollegen von Hermann Faltins Vater gewesen sein. Bei dem Herrn von Fircks handelt es sich um Carl Ulrich v. Fircks (01.06.1738-31.05.1816), Erbherr auf Dubenalken (Dunalka). Er war bei der Taufe bereits 78 Jahre alt und ist noch im gleichen Jahr gestorben. Das Erbgut Dubenalken lag rund 17 Kilometer von Hasenpoth (Aizpute) entfernt. Es ist gut möglich, dass Hermann Faltins Vater unter anderem die Pferde und das andere Vieh des Herrn von Fircks behandelte und daher mit ihm gut bekannt war.

 

Warum die Eltern die Vornamen Hermann Heinrich Eduard ausgewählt haben ist nicht klar ersichtlich. Der Name Heinrich könnte in Erinnerung an den Großvater mütterlicherseits Moritz Friedrich Heinrich v. Vietinghoff gewählt worden sein. Auffällig ist, dass der Name Hermann auch seinem jüngeren Bruder Alexander Hermann Faltin beigegeben wurde. Von den Paten lässt sich dieser Name nicht herleiten. Auch in der Familie Vietinghoff tritt der Name nicht in Erscheinung. Womöglich war er in der Familie Faltin anzutreffen.

Erste Jahre in Riga und Dorpat

Universität Dorpat um 1860
Universität Dorpat um 1860

An seine Geburtsstadt Libau wird Hermann Faltin keine Erinnerungen gehabt haben, denn irgendwann zwischen 1819 und 1823 ist die Familie nach Riga umgezogen. Hermann Faltin ist wohl auch später nicht mehr nach Libau zurückgekehrt. Wo genau die Familie zunächst in Riga  gewohnt hat ist nicht bekannt. Möglicherweise bezogen sie das Haus an der Großen Landstraße 27, gegenüber dem berühmten Pulverturm, dass in den 1860er und 1870er Jahren von Alexander Faltin, dem jüngeren Bruder von Hermann Faltin, bewohnt wurde.

 

Auf jeden Fall besuchte Hermann Faltin in Riga das Gouvernementsgymnasium. Im Jahr 1834 - er war 18 Jahre alt - verließ Hermann Faltin Riga, um an der Universität von Dorpat in Estland Medizin zu studieren. Sein Vater, Leopold Friedrich Faltin dürfte kurz zuvor gestorben sein. Die väterliche Rolle in der Familie Faltin übernahm damit der am 2. Mai 1808 in Bauske geborene jüngere Bruder von Hermann Faltins Mutter, Carl Alexander v. Vietinghoff. Hermann Faltins nur acht Jahre älterer Onkel sollte über viele Jahre hinweg eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen. Carl Alexander v. Vietinghoff lebte unter anderem in St. Petersburg, war später russischer Staatsrat und Besitzer von Gütern im Gouvernement Tambow. Hermann Faltins hervorragende Russischkenntnisse gehen vermutlich auf längere Aufenthalte bei seinem Onkel in St. Petersburg zurück.

 

Das Medizinstudium hat Hermann Faltin nicht zugesagt. So schreibt seine Tochter in ihren Memoiren, dass er das Medizinstudium abgebrochen hat, weil er keine Operationen mit ansehen konnte. In den Jahren 1835 oder 1836 wechselte er von der Medizin zur Kameralistik, also der Finanz- und Volkswirtschaftslehre. Hermann Faltin schloss sein Studium als Kandidat der Kameralistik im Jahre 1840 ab.

Heirat in Mitau mit Alexandra "Sascha" v. Böttiger

Alexandra Faltin, ca. 1865
Alexandra Faltin, ca. 1865

In seiner Zeit in Dorpat wird Hermann Faltin seine spätere Ehefrau Alexandra Mathilde Henriette v. Böttiger kennengelernt haben. Sie haben im Juli 1842 in Mitau in Kurland geheiratet. Im folgenden Jahr wurde ihr Sohn Alexander Christoph Eduard geboren, der jedoch bereits 1846 an einer Meningitis verstarb.

 

Alexandra v. Böttiger wurde 1822 in Dorpat geboren, wo ihr Vater, Alexander Ludolf Gottlieb v. Böttiger, Obergerichtsassessor war. Er soll drei Güter bei Dorpat besessen haben, die er aber, wie in den Memoiren der Tochter von Hermann Faltin berichtet wird, durch die schlechte Bewirtschaftung seines Verwalters, verloren hat. Weiter wird berichtet, dass Alexander Ludolf Gottlieb v. Böttiger umfangreiche Bücher und Porzellansammlungen besaß, die aber beim Verkauf nach seinem Tod im Jahre 1835 nur wenig einbrachten. So war die Familie von Alexandra v. Böttiger vermutlich fast mittellos als sie Herman Faltin heiratete. Dies erklärt wohl auch, warum Hermann Faltins Schwiegermutter Helene Henriette v. Böttiger, geb. Reitel (oder Rentel)*  sowie eine ihrer Schwestern namens Adele Schröder bei der Familie von Hermann Faltin lebten.

 

Wie bereits erwähnt hiessen Alexandra Faltins Eltern Alexander Ludolf Gottfried v. Böttiger und Helene Henriette, geb. Reitel. In der Heiratseintragung von Mitau 1843 wird Alexandras Vater „verstorbener Ordnungserichtsassessor Wilhelm v. Böttiger“ genannt. Dabei wurde offenbar der Vorname des Vaters falsch widergegeben. Dass Kirchenbuch der St Johannesgemeinde in Dorpat bestätigt den Namen des Vaters als Alexander Ludolf Gottfried v. Böttiger. Seine Berufsbezeichnung wird hier mit „ Stabs-Capitain erster Adjutant des kaiserlich Dörptschen Anordnungsgerichts“ angegeben, was mit der Berufsbezeichnung im Mitauer Kirchenbuch übereinstimmt. Außerdem wird im Mitauer sowie in den Dorpater Kirchenbuch die Ehefrau jeweils übereinstimmend mit Helene Henriette Reitel angegeben, wobei der Mitauer Pastor noch den, dann aber wieder ausgestrichenen, Vornamen Dorothea hinzugefügt hatte.

 

Alexander Ludolf Gottfried v. Böttiger (der Name wird häufig auch als v. Boettiger widergegeben) starb am 15.01.1835 abends um 7 Uhr und wurde am 21.01.1835 mittags beerdigt. Als Todesursache wird Gesichtsrose angegeben. Bei der Altersangabe steht 54 Jahre, was jedoch nicht mit dem Geburtseintrag übereinstimmt. Auch hier liegt ein Fehler des Kirchenbuch-Führers vor. In der Sterbeeintragung steht außerdem „Ritter des heil. Wladimir-Ordens 4ter Classe, Inhaber der Adelsmedaille von 1812“. Die Leichenfeier wurde in der Kirche abgehalten. Alexander v. Böttigers heiratete Helene Henriette Reitel am 13.09.1821 in Dorpat.

 

Der Vater von Alexander v. Böttiger war der Major und Kammerherr Alexius Gottfried v. Böttiger; seine Mutter hieß Anna Dorothea Baroness v. Brüning (v. Bruinigk).

 

Alexander v. Böttiger und Helene Henriette Reitel hatten fünf Kinder:

1.     Alexandra Matthilde Henriette, *14.07.1822, get. 19.11.1822

2.     Adelheid Natalie, *11.01.1824, get. 15.09.1824

3.     Maria, *22.03.1826, get. 25.08.1826

4.     Olga Constantine, *17.04.1829, get 23.05.1829

5.     Charlotte Emma Eugenia, *15.01.1831, get. 17.05.1831

6.     Nicolai Alexander, *25.03.1833, get. 20.08.1833

 

Die Paten der Kinder stammten aus den örtlichen Adelsfamilien und dem Großbürgertum von Dorpat. Nur für Maria konnte offenbar eine besonders hochgestellte Patin gefunden werden. In ihrer Taufeintragung heißt es: „Taufzeugen: 1 Ihre kaiserliche Hoheit, die Frau Grossfürstin Maria, Erbgroßherzogin von Weimar“ Dabei handelt es sich um die Grossfürstin Maria Pawlowna, einer Tochter des Zaren Paul, die durch Heirat mit Carl Friedrich v. Sachsen-Weimar nun Großherzogin von Weimar war. Wie es zu dieser Patenschaft gekommen ist konnte leider bisher nicht ermittelt werden.

 

Möglicherweise bestand eine Verbindung über die Familie Batsch aus Weimar. Eine Tochter von Hermann und Alexandra Faltin, namens Olga Marie Faltin hat 1873 den Vizeadmiral Karl Ferdinand Batsch geheiratet. Die Großmutter von Karl Ferdinand Batsch, Sophie Caroline Amalie Batsch, geb. Pfündel war nach dem frühzeitigen Tod ihres Mannes, des Botanikers und Jenaer Professors August Johann Georg Karl Batsch von 1805 bis 1824 als Erzieherin im Dienst des Großherzogs von Sachsen-Weimar und blieb von 1824 bis zu ihrem Tod im Jahre 1852 in einer Art dienstlichen Stellung zur Großfürstin Maria Pawlowna.

 

* sie wird in den Memoiren einer Tochter von Hermann Faltin als "Baronin v. Rentel" bezeichnet, was aber vermutlich ein Fehler ist.

Die Familie v. Böttiger

Wappen v. Böttiger
Wappen v. Böttiger

Alexandra Faltin, geb. v. Böttiger entstammte einer angesehenen deutsch-baltischen Adelsfamilie. Ihr Vorfahr, Johann Friedrich von Böttiger (*1658, +19.08.1739) wurde am 24 Mai 1731 in den Reichsadelsstand erhoben. Er war russischer Hofrat und residierender Minister im niedersächsischen Kreise in Hamburg. (siehe Österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 37.37)

 

Sein Nachkomme, der kursächsische Kammerherr und Kgl. Preussische Major, Alexius Gottfried v. Böttiger (1743-1806), erhielt auf dem livländischen Landtag am 18.10.1783 das Indignat und wurde in Livland unter Nr. 217 als Edelmann immatrikuliert. Er hatte sich mit der Tochter des Freiherrn v. Bruiningk vermählt, die ihm Schloss Rauden und Neu-Tennasilm zubrachte. Letzteres verkaufte er 1775. Ersteres tauschte er 1775 gegen Brinckenhof, welches er 1799 verpfändete. Das von ihm 1777 erworbene Gut Fehsen verpfändeten 1815 seine Erben.

 

Unter diesen war auch eine Tochter, die mit dem Grafen Alexis Petrowitsch Bestuschew v. Rumin vermählte Anna Katharina v. Böttiger, die mit ihrem vor der Ehe erzeugten Sohn Andrej Alexiewitsch, am 13. Juli 1745 in Dresden vom Kursächsischen Reichsvikariat den Grafenstand als "Gräfin v. Bestuschew-Rumin" erhielt, aber nicht mit dem Wappen dieser Familien, sondern mit ihrem angeborenen Familienwappen, nur vermehrt durch drei Helme (ohne Kleinod) und zwei schildhaltende Löwen erhalten hatte (siehe Der Adel der Russischen Ostseeprovinzen - die Ritterschaft, S. 249).

Als Beamter in Mitau

Herzogliches Schloss Mitau
Herzogliches Schloss Mitau

Im Jahre 1840 trat Hermann Faltin seinen Dienst als Protokolist bei der kurländischen Gouvernementsregierung in Mitau an. Die Zivilbeamtenschaft war in Russland seit jeher die Domäne der höheren Stände und vor allem des Adels. Nach dem Dekabristenaufstand von 1825, hatte Zar Nikolaus I per Ukas vom 6.12.1826 den Eintritt in die Beamtenschaft weiter erschwert, so dass zur Zeit von Hermann Faltin der Beamtendienst nur Adligen, Universitätsabsolventen und Söhnen von Kaufleuten der ersten Gilde und bestimmter freier Berufe möglich war.

 

Im Jahr 1845 übersetzte Hermann Faltin den Neunten Band des Russischen Ständerechts in die deutsche Sprache. Zu diesem Zeitpunkt hatte er den Zivilrang eines Titularrates inne. Dies entsprach dem neunten Rang der russischen Rangtabelle. Damit stand Hermann Faltin der persönlichen Adel und die Anrede „Euer Wohlgeboren“ zu. Im selben Jahr wurde er zum Kollegienassessor, dem achten Zivilrang, befördert, der  bis 1847 den erblichen Adelsstand mit sich brachte.

 

Der Kollegienassessor gehörte zum Mittelbau der Zivilbeamtenhierachie und ihm stand die Anrede „Euer Hochwohlgeboren“ zu. Zu diesem Zeitpunkt wird Hermann Faltin auch als "Tischvorsteher des livändischen Kameralhofs" bezeichnet. Er war also mittlerweile zu einer Art Ressortleiter im kurländischen Finanzministerium aufgestiegen.

 

Etwa 1847 ist Hermann Faltin aus dem Staatsdienst ausgeschieden um sich privatwirtschaftlicher Tätigkeit zu widmen. Seine Tochter berichtet in ihren Memoiren, dass er Lungenprobleme hatte und ihm eine sitzende Tätigkeit im Staatsdienst nicht gefiel. Möglicherweise hat auch der Tod seines Sohnes Alexander 1846 mit der Entscheidung zu tun. Auf jeden Fall müssen die Jahre 1846 bis 1847 recht turbulent und schicksalsreich gewesen sein.

Leben in Tambow und Orel

Schloss Kurakino
Schloss Kurakino

Im Jahr 1847 verließ die Familie Mitau in Kurland und zog ins Gouvernement Tambow, wo Hermann Faltin die Verwaltung der Güter seines Onkels Carl Alexander v. Vietinghoff übernahm. Zu diesem Zeitpunkt hatten Hermann und Alexandra Faltin zwei Töchter, Julie Henriette Fanny, die am 30 Mai 1844  geboren wurde und die am 29 Oktober 1846 geborene Julie Sophie. Über den Aufenthalt im Tambowschen Gouvernement ist nichts weiter bekannt. Am 20 August 1849 ist dort, angeblich in einem Ort namens Brailewka die dritte Tochter Marie Olga geboren worden.  Der Ort Brailewka konnte bisher nicht ermittelt werden. Einen Ort namens Brulewka gibt es aber im Gouvernement Mogiliew unweit von Tschetschersks, wo Hermann Faltin aber erst ab 1855 tätig war.

 

Ab etwa 1851 wurde Hermann Faltin Oberbevollmächtigter der Güter des Fürsten Kurakin. Dazu zog die Familie nach Kurakino im Gouvernement Orel, wo sie vier Jahre lang bis 1855 blieb. Hermann Faltins Tochter berichtet dazu,  dass Kurakino ein alter Besitz mit einem elegant möblierten Schloss war. Im Jahr 1850 war der Fürst Boris Alexewitsch Kurakin (geb. 1784) gestorben. Seine Frau, die Fürstin Elisabetha Borissowna, geb. Prinzessin Galitzin (1790 — 1871), bewohnte weiterhin ihre Güter Kurakino im Gouvernement Orel und Stepanowskoe im Gouvernement Twer. Die Anstellung Hermann Faltins als Verwalter von Kurakino erfolgte vermutlich anlässlich des Todes von Fürst Boris Alexewitsch Kurakin.

 

Die Familie bestand zu dieser Zeit aus Hermann und Alexandra Faltin, den drei Töchtern, der Schwiegermutter von Hermann Faltin, Helene Henriette v. Böttiger sowie einer unverheirateten Schwester von Alexandra Faltin, Adele v. Böttiger. Außerdem hatte man für die Kinder eine Gouvernante namens Fräulein Stechmesser engagiert. Im Jahr 1851 oder 1852 wurde in Kurakino der Sohn Oskar Faltin geboren.

Tschetschersk

Schloss der Grafen Tschernyschew-Kruglikow in Tschetschersk
Schloss der Grafen Tschernyschew-Kruglikow in Tschetschersk

Im Jahre 1855 zog die Familie nach Tschetschersk im Gouvernement Mogilew, wo Hermann Faltin die Verwaltung der Güter der Grafen Tschernyschew-Kruglikow übernahm. Hermann Faltin blieb dort für sieben Jahre und in dieser Zeit wurde die jüngste Tochter, Adelaide Friederike Alexandra, genannt Sascha geboren. Aus den Memoiren von Julie Sophie Faltin geht hervor, dass die Familie gelegentlich für längere Zeit getrennt war. So lebten Hermann Faltins Frau Alexandra sowie ihrer Schwester Adele v. Böttiger mit den drei Töchtern seit 1861 für drei Jahre in Würzburg. Der Familie scheint es finanziell sehr gut gegangen zu sein. So beschäftigte man für die Kinder nicht nur eine deutsche Gouvernante sondern auch eine englische Erzieherin namens Miss Andrews.

Die letzten Jahre

Kishinew
Kishinew

Etwa 1863 wird Hermann Faltin seine Position in Tschetschersk verlassen haben. Nach den Angaben seiner Tochter lebte er etwa 1865 in Dünaburg, wo er vermutlich bei der von seinem Bruder Alexander Faltin initierten Riga-Dünaburgischen Eisenbahn beschäftigt war.  Im Jahr 1867 hat Hermann Faltin seine Frau und seine Kinder in Wiesbaden getroffen, die von einer längeren Reise aus Montreux in der Schweiz zurückkamen. In Wiesbaden blieb die ganze Familie für ein Jahr, was nochmals die günstige finanzielle Situation der Familie unterstreicht.

 

Im Album Academicum der Universität Dorpat von 1888 und 1889 heißt es das Hermann Faltin Landwirt im Gouvernement Tula und Fabrikbesitzer in Riga war. Neben seiner Tätigkeit als Güterverwalter, besass Hermann Faltin offenbar auch eine Fabrik in Riga. Das Rigaer Addressbuch von 1861 nennt: "Faltin, H. Kfm. Sünderstr. 15. Chemische Fabrik Ilgez., Dünam. Str.43. 45." Hierbei könnte es sich um den gesuchten Hermann handeln. 

 

Im Album Academicum von 1888 heißt es auch, dass er in Riga privatisiert war, sich also zur Ruhe gesetzt hatte. Wann dies geschah ist jedoch nicht zu ermitteln. Auf jeden Fall haben Hermann und Alexandra Faltin Anfang der 1880er Jahre in Riga gelebt, wo Alexandra am 20. Januar 1882 gestorben ist. Hermann Faltin ging daraufhin nach Kischinew in Moldawien, wo sein Bruder Ernst Karl Rudolf Faltin Pastor, Divisionsprediger und Religionslehrer war. Am 18. Januar 1883 ist Hermann Faltin dort im Alter von 67 Jahren gestorben.

Kinder von Hermann und Alexandra Faltin

Hermann und Alexandra Faltin, geb. v. Böttiger hatten sechs Kinder, vier Töchter und zwei Söhne. Der erstgeborene Sohn Alexander Christoph Eduard Faltin starb jedoch bereits im Kindesalter. 

1. Alexander Christoph Eduard Faltin

Alexander Christoph Eduard Faltin wurde am 21.06.1843 in Grobin geboren und am 6.08.1843 getauft. Seine Paten waren der Oberlehrer Alexander Zimmermann, Theodor Schiemann und Fräulein Adelheid v. Böttiger,  eine Schwester der Mutter. Alexander Christoph Eduard starb bereits 1846 in Mitau an einer Meningitis. 

2. Julie Henriette Fanny Faltin

Julie Henriette Fanny Faltin wurde am 30.05.1844 in Mitau geboren und im  August 1844 in der Trinitatis Kirche zu Mitau getauft. Ihre Paten waren: Frau Julie Faltin, Frau Oberlehrerin Helene Zimmermann, Oberlehrer Hausmann. 

 

Am 26.03.1864 heiratete Julie Henriette Fanny Faltin den Rigaer Ratsherrn, Kaufmann und Ältesten der Grossen Gilde (Schwarzhäuptergilde) Martin Carl Gustav Lösewitz, (* 10.11.1830 in Riga, + um 1920 in Riga). Martin Carl Gustav Lösewitz war ein Sohn des Kaufmanns und Ältesten der Grossen Gilde, Eduard (Erhard) Wilhelm Lösewitz (*26.05.1786, +16.01.1845) und dessen Ehefrau Auguste, geb. Pohrt (*22.01.1806, +3.03.1872). Die Familie Lösewitz gehörte zu den angesehensten Ratsgeschlechtern der Stadt Riga. Die Familie stammte angeblich ursprünglich aus Stralsund. 

 

Martin Carl Gustav und Julie Henriette Fanny Lösewitz (geb. Faltin) hatten mindestens drei Kinder: Helena Alexandra (*17.01.1865) und Wilhelm Erhard Hermann (*10.03.1866) und Carl Gustav (*18.06.1869).

 

Julie Henriette Fanny Lösewitz, geb. Faltin starb 40-jährig am 14.12.1884 in Mentone, Frankreich (Cote d’Azure) an einer Lungen TBC.

3. Julie Sophie Faltin

Julie Sophie Rosenplänter (neé Faltin) und Friedrich Selmar Rosenplänter
Julie Sophie Rosenplänter (neé Faltin) und Friedrich Selmar Rosenplänter

Julie Sophie Faltin wurde am 29.10.1846 in Mitau geboren und am 26.01.1847 in der Trinitatis Kirche zu Mitau getauft. Ihre Taufpaten waren: Frau Collegien-Rätin Hausmann, Mad. Steffenhagen, Mad. Leitner, Herr (...?) Hofrath Dietrichs, Rigaischer (...?) Girad, Herr Oberlehrer Zimmermann.

 

Ihr Ehemann war der Apotheker und Drogeriebesitzer in Omsk, 

Friedrich Selmar Rosenplänter  (* 14.10.1832 in Pernau, Estland, + 02.03.1918 in Riga. Der Name Selmar wird gelegentlich auch als Hilmar angegeben.

 

Friedrich Selmar und Julie Sophie Rosenplänter, geb. Faltin hatten mindestens fünf Kinder: (1) Eduard Rosenplänter (*1874) heiratete die Dänin Marie Henriette Danielsen. (2) Antoinette Marie (1876-1953) heiratete den Dänen Johan Axel Vosbein (3) Friedrich Wilhelm Rosenplänter (*1882, +1919) heiratete Ida v. Böhlendorf; (4) Sophie Vera Rosenplänter, deren Ehemann der Däne Waldemar Hvedehave war und (5) Theodor Rosenplänter 

 

Julie Sophie Rosenplänter, geb. Faltin starb am 10.10.1925 in Kopenhagen, Dänemark.

Die Familie Rosenplänter

Johann Heinrich Rosenplänter, Zeichnung um 1815
Johann Heinrich Rosenplänter, Zeichnung um 1815

Die Rosenplänter waren eine angesehene estländische Literatenfamilie, die ursprünglich aus Niedersachsen (wohl Göttingen) stammte.

 

Der Vater von Friedrich Selmar Rosenplänter hiess Johann Heinrich Rosenplänter (*12.07.1782 in Wolmar, Estland, +15.04.1846 in Pernau). Er war Geistlicher und Sprachforscher der Estnischen Sprache. Zudem war er Privatlehrer in Reval an der Domschule. Kanzlist in Riga. Er hatte Theologie in Dorpat studiert und war auch Pastor in Torgel, Livland. Ab 1809 war er Pastor der Elisabeth Kirche in Pernau. Die Mutter  von Friedrich Selmar Rosenplänter hiess Nathalie Henriette v. Gernet (*02.02.1796). Sie entstammte einer märkischen Uradelsfamilie.

 

Die Memoiren von Julie Sophie

Selmar Friedrich Rosenplänter
Selmar Friedrich Rosenplänter

IN ARBEIT...

 

Das Bild zeigt Friedrich Selmar Rosenplänter in einer unbekannten Uniform.

Julie Sophie Rosenplänter (neé Faltin), Omsk um 1880
Julie Sophie Rosenplänter (neé Faltin), Omsk um 1880

IN ARBEIT...

4. Marie Olga Faltin

Marie Olga Batsch (neé Faltin) um 1870
Marie Olga Batsch (neé Faltin) um 1870

Marie Olga Faltin wurde am 20.08.1848 in Russland geboren. Ihr Geburtsort wird gelegentlich mit "Brailewka im Gouvernement Tambow" angegeben. Allerdings konnte dieser Ort Brailewka oder ähnlich im Gouvernement Tambow bisher nicht ermittelt werden. Es gab einen Ort Brulewka unweit von Tscheschersk, wo die Familie aber erst einige Jahre später lebte. Zurzeit ihrer Geburt lebte die Familie im Gouvernement Tambow. Beim Ortsnamen könnte es sich um eine Verwechselung handeln

 

 

Marie Olga Batsch, geb. Faltin starb im Alter von 74 Jahren am 11.10.1922 in Weimar. Das nebenstehende Bild zeigt ihren Grabstein in Weimar.

Ehe mit dem Vizeadmiral Ferdinand Batsch

Karl Ferdinand Batsch
Karl Ferdinand Batsch

Im Jahr 1873 heiratete Marie Olga Faltin den Marineoffizier Karl Ferdinand Batsch (* 10.01.1831 in Eisenach) in Wiesbaden. Karl Ferdinand Batsch stand zuletzt im Range eines Vizeadmiral. Er besuchte bis zum 14. Lebensjahr die Schule in Eisenach, später das Gymnasium zu Erfurt und ging 1846 als 15 jähriger Sekundaner zur See. Von seiner ersten großen Reise, die er auf der preußischen Bark Elisabeth nach Ostindien und China machte, zurückgekehrt, trat er 1848 als Matrose zweiter Klasse beim Marinebataillon zu Stettin ein.

 

Anschliessend wurde er als Midshipman in die Flotte der Vereinigten Staaten abkommandiert, besuchte später nach mehrfachen Übungsfahrten an Bord der nordamerikanischen Fregatten Lawrence, Adler und Merkur die Marineschule zu Stettin und wurde, nachdem er sich auf seinen weiten Reisen als ein ebenso umsichtiger als unerschrockener Offizier bewährt hatte, 1856 zum Lieutnant zur See erster Klasse ernannt.

 

Nach einer zweijährigen (1860-1861) Dienstleistung in der englischen Flotte wurde er 1862-64 als Adjutant beim Oberkommando der Marine verwendet und fand im April 1864 wiederholt Gelegenheit, an Bord der Grille an Gefechten gegen die dänische Flotte teilzunehmen. Im Mai desselben Jahres wurde er zum Korvettenkapitän befördert, kommandierte 1864-65 die Victoria und 1865-67 das Kadettenschiff, bis er zum Chef des Stabes beim Oberkommando der Marine ernannt wurde.

 

Er begleitete 1870, zum Kapitän zur See avanciert, als Chef des Stabes das Geschwader des Prinzen Adalbert von Preußen nach den Azoren, mußte jedoch wegen des Ausbruchs des Deutsch-Französischen Krieges die Reise unterbrechen und nahm wieder seine Stellung im Oberkommando ein, das zu einer Kommandoabteilung des Marineministeriums umgeformt wurde. Im Jahre 1871 unternahm er mit den Schiffen Vineta und Gazelle eine zweijärige Expedition nach Westindien, wurde 1873 zum Chef des Stabes der Admiralität und 1875 zum Kontreadmiral ernannt. In den Jahren 1876-78 befehligte er als Geschwaderchef mehrere Expeditionen im Mittelmeer, von denen die Letzte durch dem Untergang des Schiffes Großer Kurfürst bei Folkestone am 31.Mai 1878 ein trauriges Ende fand.

 

Von vielen Seiten wurde Batsch als Hauptschuldiger für die Katastrophe verantwortlich gemacht, weil man die Ursache des Zusammenstoßes der beiden Panzerschiffe lediglich in der von ihm befohlenen zu geringen Distanz derselben finden zu müssen glaubte. Der Chef der Admiralität von Stosch verteidigte jedoch im Reichstag das Verhalten Batschs auf das lebhafteste und schob die Schuld des Unglücks ausschließlich auf die mangelhafte Ausführung der gegebenen Befehle. Trotzdem wurde Batsch wegen Nichtbeachtung der Vorschriften über die einzuhaltende Distanz für schuldig erklärt und im Juli 1879 zu sechs Monaten Festung verurteilt. Der Kaiser bestätigte das Urteil, begnadigte Batsch aber, nachdem derselbe erst zwei Wochen seiner Haft auf der Festung Magdeburg verbüßt hatte, und ernannte ihn sogar unmittelbar darauf zum Departementsdirektor in der Admiralität, 1880 zum Vizeadmiral und 1881 zum Chef der Marinestation der Ostsee.  Karl Ferdinand Batsch starb am 22.11.1898 in Weimar. 

Kinder von Marie Olga Faltin und Karl Ferdinand Batsch

"Christi Geburt" Postkarte nach einem Bild von Trissy Batsch-Kalckschmidt
"Christi Geburt" Postkarte nach einem Bild von Trissy Batsch-Kalckschmidt

Karl Ferdinand Batsch und Marie Olga Batsch (neé Faltin) hatten vier Kinder: Elsa Alexandra, Olga Therese, Karl Ernst Adalbert und Karl Oskar.

 

1. Olga Therese, genannt Trissy wurde am 21.06.1876 in Berlin geboren. Sie starb 1959. Trissy Batsch wurde an Kunstschulen in Dresden, Sienna und Florenz zur Malerin ausgebildet. Auf der Suche nach guten Lehrern kam sie in die Schweiz und wurde von Ferdinand Hodler und viele Jahre von Cuno Amiet als Schülerin angenommen. Zu ihrem Freundeskreis zählten Giovanni Giacometti, Ernst Kreidolf, Welti. Allen gemeinsam war die Verehrung des großen italienischen Malers Giovanni SegantiniGiovanni Giacometti widmete Trissy Batsch eine Radierung vom Totenbett Segantinis und dieses Bild begleitete sie durch widrige Zeiten bis zu ihrem eigenen Tode. Ein großes Vorbild war Ferdinand Hodler, der auf den Postkarten, die sie von Cuno Amiet bekam, immer wieder Thema war.

 

Olga Therese Batsch war zweimal verheiratet. Ihr erster Ehemann hiess Watson; der Vorname ist nicht bekannt. Ihr zweiter Ehemann (oo 03.07.1905) war der Schriftsteller Eugen Kalkschmidt (* 10.12.1874 in Buddelkehmen (Ostpreussen), + 01.02.1962 in München). Olga Therese Batsch und Eugen Kalkschmidt hatten eine Tochter, Beate Kalkschmidt (1933–2013) die ebenfalls schriftstellerisch tätig war.

 

Eugen Kalkschmidt, der als Redakteur beim Kunstwart in Dresden und später in München arbeitete. Er war Hauptschriftleiter der Zeitschrift Jugend, die ein wichtiges Sprachrohr für Kunst und Literatur ihrer Zeit war. Er verfasste eine Reihe von kunsthistorischen Büchern über Spitzweg, Richter, Schwind, über die Epoche des Biedermeiers und vieles mehr.

 

Er stand im Briefwechsel mit vielen Künstlern seiner Zeit. In der Monacensia, dem Literaturarchiv der Stadt München, ist ein Teil seines schriftlichen Nachlasses aufbewahrt.

 

2. Karl Ernst Adalbert (*27.01.1879 in Wilhelmshaven) folgte seinem Vater nach und wurde Marineoffizier. Er stand zuletzt im Rang eines Konteradmirals der Kriegsmarine des 3. Reichs. Seine Ehefrau (oo 10.08.1914) hiess Annie Gruner (*17.11.1888 in Berlin, + ca. 1965). Er starb 1949.

 

Über 3. Elsa Alexandra und 4. Karl Oskar Batsch ist weiter nichts bekannt. Oskar Batsch soll 1881 geboren worden sein.

5. Oskar Heinrich Faltin

Oskar Faltin wurde 1851 oder 1852 in Kurakino, Kreis Orlov, Gouvernement Orel in Russland geboren. In einigen Ahnentafeln wird sein Geburtsort mit Bogoroditsk, Tula angegeben. Dies dürfte aber falsch sein. Sein Vater Hermann Faltin war zurzeit seiner Geburt Oberbevollmächtigter der Güter des Fürsten Kurakin im Gouvernement Orel. Oskar Faltin kam vermutlich 1915 bei der Deportation der Deutschen um Leben. Das einzige erhaltene Foto zeigt ihn in Uniform. Er hat also in der kaiserlich russischen Armee gedient.  

 

oo Maria Sviatopolk-Mirska, * ca. 1850 in Kasimirovka, Vitebsk. Ihre Eltern waren der russische Major Stefan Sviatopolk-Mirski und Henriette Weidlich. Maria hatte noch mindestens drei Brüder Heinrich (Henryk)Sigismund (Zymunt) und Theodor (Teodor), sowie eine Schwester namens Elisabeth (Elzbieta). Diese war mit Ernst Gotthilf Wilhelm Alois Bonin (*1847) verheiratet. 

Die Familie Sviatopolk-Mirski

Zlota Ksiega, Szlachty Polskiej, 1902
Zlota Ksiega, Szlachty Polskiej, 1902

Das nebenstehende Bild zeigt die Stammreihe der Familie Sviatopolk-Mirski der Linie Horanska von der 8. bis zur 11. Generation. Maria (Marya) Faltin, geb. Sviatopolk-Mirski erscheint am Ende der Seite mit dem Hinweis, dass sie einen Faltin geheiratet hat.

 

Die Familie Sviatopolk-Mirski gehört zu den prominentesten polnisch-ruthenischen Adelsfamilien. Die Linie Horanska, der Marya entstammte hat die folgende Stammreihe:

 

Generation 1

SWIATOPOLK-MIRSKI, Andrzej

lebte Mitte des 16. Jahrhunderts

 

Generation 2

SWIATOPOLK-MIRSKI, Hrehory

oo Anne Kopcieowne

 

Generation 3

SWIATOPOLK-MIRSKI, Abraham

Fünfter Sohn des Hrehory Swiatopolk-Mirksi

 

Generation 4

SWIATOPOLK-MIRSKI, Aleksandr

 

Generation 5

SWIATOPOLK-MIRSKI, Samuel

Gestorben um 1646

oo Dorota Balaszkowna

 

Generation 6

SWIATOPOLK-MIRSKI, Michal, * um 1690

Zweiter Sohne des Samuel Swiatopolk-Mirski. 

 

Generation 7

SWIATOPOLK-MIRSKI, Wladyslaw, * um 1720

 

Generation 8

SWIATOPOLK-MIRSKI, Teodor, * um 1750

Begründer der Linie Horanska

 

Generation 9

SWIATOPOLK-MIRSKI, Tadeusz, * um 1790

Rittmeister der russischen Armee.

I oo Antonia Rudominowa,

II oo Antonia Dabrowianka

 

Generation 10

SWIATOPOLK-MIRSKI, Stefan, * um 1820

Major der russischen Armee.

I oo Anna Puchalska,

II oo Henriette Weidlich

 

Generation 11

Kinder von Stefan Swiatopolk-Mirski und Henriette Weidlich

1. SWIATOPOLK-MIRSKI, Henryk

2. SWIATOPOLK-MIRSKI, Zygmunt

3. SWIATOPOLK-MIRSKI, Teodor

4. SWIATOPOLK-MIRSKI, Elsbieta

oo Ernst Gotthilf Wilhelm Alois Bonin

5. SWIATOPOLK-MIRSKI, Marya

oo Oskar Faltin

 

Als Landwirt in Russland

Fürst Lew Lyudvigowitsch Radziwill
Fürst Lew Lyudvigowitsch Radziwill

Oskar Faltin lebte mit seiner Familie unweit der letzten Arbeitsortes seines Vaters bei Olschany im Kreis Mozyr, Gouvernement Mogiliev (Oblast Gomel), im heutigen Weissrussland. Dort bewirtschaftete er einen grossen Hof von rund 1600 ha Land. 

 

Oskar Faltin besass diesen Hof zunächst nur als Pächter, des Fürsten Lew Lyudvigovich Radziwill. Fürst Radziwill wurde 1808, unter dem Namen Leon Hieronim, als Sohn des Fürsten Lyudvig Nikolai Radziwill in Warschau geboren. Seit seinem Eintritt in die russische Armee führte er die russifizierte Form seines Namens, Lew Lyudvigovich Radziwill. Im Jahr 1869 wurde er zum General der Kavallerie ernannt. Seine Frau hiess Fürstin Sofia Aleksandrovna Urusova.

 

Radziwill besass ausgedehnte Latifundien im heutigen Weissrussland. Zur Bewirtschaftung seines Landes bestellte er verschiedene, meist deutsche, Pächter als sogenannte Arendatoren. Zu den grössten dieser Arendatoren zählten ein gewisser Feodor Ivanovitsch Ager, ein gebürtiger Kurländer und Oskar Faltin, dessen Vater ebenfalls aus Kurland stammte. Nachdem Fürst Radziwill Ende 1884 kinderlos gestorben war, konnte Oskar Faltin das Gut von den Erben kaufen. 

Kinder von Oskar und Maria Faltin

Oskar und Maria Faltin hatten mindestens einen Sohn, Wilhelm Faltin. Über weitere Kinder ist leider nichts bekannt. Wilhelm Faltin war mit Luise Weber verheiratet. 

5.1. Wilhelm Faltin, sen.

Wilhelm Faltin wurde 1876 in Russland geboren.  Er wurde 1914 von den Russen ermordet . Er befand sich im Sommer 1914 auf Reisen im ostpreussischen Ortelsburg. Dort wurde er vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem Überfall der russischen Armee überrascht. Er fiel in russische Gefangenschaft und wurde unter dem Vorwurf der Spionage erschossen. Sein Sterbeeintrag befindet sich, zusammen jenen anderer Männer, die von den Russen erschossenen worden sind, im KB von Allenstein (Bestattungen 1874-1919, Nr. 81). Sein Todestag wird dort mit dem 26.08.1914 angegeben. Die Beerdigung erfolgte am 3.09.1914.

 

Luise Weber wurde am 16.09.1880 in Russland geboren. Ihr genauer Geburtsort ist nicht bekannt. Die Eheschliessung mit Wilhelm Faltin fand nach späterer Erzählung 1896 statt - Luise wäre also bei ihrer Heirat erst 16 Jahre alt. Allerdings wurde der wohl erste Sohn erst 1899 geboren, als Luise 19 Jahre alt war.

 

Ihr Vater hiess Otto Weber. Über ihn ist weiter nichts bekannt. Der Name ihrer Mutter ist nicht überliefert. Sie hatte mindestens einen Bruder mit Namen John Ottowitsch Weber, der am 01.01.1909 als Cornet des 5. Litauischen Ulanenregiments genannt wurde (Вебер Джон Оттович, на 1 января 1909г. - 5-й уланский Литовский Короля Виктора Эммануила III полк, корнет).

 Luise Faltin, geb. Weber kam 1945 bei der Flucht aus Ostpreussen ums Leben.

Kinder von Wilhelm und Luise Faltin

Wilhelm und Luise Faltin, geb. Weber hatten acht oder neun Kinder. Im Jahr 1915 wurde Luise Faltin mit ihren Kindern nach Uralsk, im Gouvernement Orenburg verbannt. Nur vier Kinder haben die Reise und das harte Leben in der Verbannung überlebt. Nach dem Ende des russischen Bürgerkrieg kam die Familie Anfang der 1920er Jahre frei und reiste nach Ostpreussen.

 

Luise Faltin und ihre Kinder waren bei ihrer Ankunft in Ostpreussen schwer krank und verbrachten einige Wochen in einem Krankenhaus in Königsberg. Einige Hilfszahlungen mussten sie für die Arztkosten aufwenden. Nachdem die Gesundheit wieder einigermassen hergestellt war, liessen sie sich bei Nikolaiken nieder. Die Familie hatte nun alles verloren und war völlig verarmt. Die Hilfe bessergestellter Verwandter wollte man aus falschem Stolz nicht annehmen. So hat es zumindest Minna Faltin, die Grossmutter des Autors erzählt.

5.1.1 Wilhelm Faltin, jun.

Wilhelm Faltin, ca. 1930
Wilhelm Faltin, ca. 1930

Wilhelm Faltin wurde 1899 wohl in "Olschien" (Olschany) Kreis Mosier in Russland geboren. Er war womöglich das erstgeborene Kind von Wilhelm und Luise Faltin, (neé Weber). Als die Familie 1915 enteignet und nach Uralsk deportiert wurde, war er bereist 15 oder 16 Jahre alt. Vermutlich musste er in dieser Situation die Rolle des Mannes in der Familie übernehmen und seinen ermordeten Vater ersetzten. Im russischen Bürgerkrieg von 1917 bis 1921 musste Wilhelm Faltin als Soldat bei der Verteidigung einer Stadt helfen - so hat es zumindest die spätere Frau seines jüngeren Bruders erzählt.

 

Wie lange Wilhelm Faltin nach der Ausreise der Familie aus Russland noch in Ostpreussen blieb ist nicht bekannt. Anfang der 1930er Jahre lebte er in dem Dorf Jessen im Kreis Spremberg in Sachsen. Womöglich arbeitete er dort im Kohlebergbau. Im Sommer 1933 kehrte er nach Ostpreussen zurück, wo er am 01.07.1933 in Selbongen, Kreis Sensburg seinem Leben ein Ende setzte. Über die Beweggründe für seinen Suizid ist nichts bekannt. Die Beerdigung fand am 04.07.1944 statt. Wilhelm Faltin war offenbar unverheiratet und hinterliess keine Kinder.

5.1.2 Olga Faltin

Zu Olga Faltin gibt es keine näheren Informationen. Sie wurde wohl zwischen 1900 und 1908 geboren. Sie war eines der vier oder fünf Kinder von Wilhelm und Luise Faltin, die in der Verbannung in Uralsk, im Gouvernement Orenburg ums Leben kamen.

5.1.3 Adolf Faltin

Adolf Faltin, ca. 1950
Adolf Faltin, ca. 1950

Adolf Faltin wurde am 08.10.1908 in "Olschien" (Olschany) Kreis Mosier, Russland geboren. In späteren Dokumenten wird sein Geburtsort mit Olschienen, Kreis Ortelsburg angegeben. Olschienen, dass später den Namen Ebendorf erhielt gehörte zur Kirche von Klein Jerutten bei Ortelsburg. Nachforschungen in den Kirchenbüchern von Klein Jerutten bestätigten, dass Adolf Faltin dort nicht geboren wurde. 

 

Vielmehr hat er offenbar diesen Ort in Anlehnung an seinen wahren Geburtsort in Russland gewählt, um seine russlanddeutsche Herkunft zu verschleiern. Womöglich war eine reichsdeutsche Herkunft günstiger, als er sich ca. 1938 oder 1939 für den Polizeidienst gemeldet hat. 

Seine Ehefrau hiess Marie Faltin, geborene Struck aus Selbongen in Ostpreussen. Adolf Faltin ist am 21.10.1976 in Düsseldorf gestorben.

Adolf und Marie Faltin hatten zwei Söhne: Bruno und Kurt Faltin

 

Adolf Faltins Militärdienst

Adolf Faltin, stehend links, "... im Einsatz gegen Partisanen in Kroatien"
Adolf Faltin, stehend links, "... im Einsatz gegen Partisanen in Kroatien"

 Während des Krieges war Adolf Faltin bei verschiedenen Polizeieinheiten der Wehrmacht im Einsatz.

Nach Auskunft der Deutschen Dienstelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) wurde Adolf Faltin am 22.09.1940 einberufen. Seine Heimatdienststelle war der Gendarmerie-Posten Mala, Krs. Mielau (polnisch Mława). Sein Heimatdienstgrad lautete "Bezirks-Oberwachtmeister". Adolf Faltins Erkennungsmarke trug die Kennung: -847 - Kd. O. Zichenau (= Kommandeur der Ordnungspolizei Zichenau). Der Regierungsbezirk Zichenau (polnisch Ciechanów) war ein nach der Besetzung Polens 1939 geschaffener, der Provinz Ostpreußen angegliederter, Verwaltungsbezirk im Deutschen Reich.

 

Die Dienstzeit ist nur punktuell überliefert. 1943 gehörte er offenbar  zeitweilig zur 13. Kompanie des Polizei-Infanterie-Regiment 3 (Feldpostnummer 34 052). Einen Teil seiner Dienstzeit verbrachte Adolf Faltin in Kroatien. Im Mai und Juni 1944 war er dort mit dem Dienstgrad eines "Zugwachtmeisters" als Ausbilder bei der 23. Waffen-Gebirgs-Division "Kama" (2. kroatische) im Einsatz.  Anlässlich des Geburtstages seines Bruders Heinrich Faltin schrieb er am 11.09.1944 eine Feldpostkarte mit Feldpostnummer 56 836 (= Gendarmerie-Bezirksführer Stara-Pazova). Zu diesem Zeitpunkt war er offenbar wieder bei seiner Polizeieinheit.

 

Laut WASt war er gemäss einer Meldung vom 08.11.1944 zu diesem Zeitpunkt beim 4. Polizei-Freiwilligen-Bataillon 3 "Kroatien". Aufgabe der dortigen Polizei Bataillone war der Kampf gegen die Partisanen im Papuk Gebirge und das Freihalten der Bahnstrecke, welche eine wichtige, bzw. die einzigste Rückzugsmöglichkeit für die rückströmenden Truppenteile war. 1944 ging es auch noch darum, die Ernte zu schützen. Es gab seitens der Partisanen wohl zahlreiche Angriffe auf die Erntearbeiten, was die "Reichsernährung" gefährdete. Ende 1944 und Anfang 1945 kam zu dem noch die Drau-Sicherung als Aufgabe hinzu.

 

Das Bataillon gehörte zum 1. Polizei-Freiwilligen Regiment "Kroatien" und befand sich am 31. März 1944 noch in der Aufstellung. Aufstellungsort war Virovitica in Kroatien und Heimatstandort des Bataillons war die PV Berlin. Die Aufstellungsbefehle für Regiment und Bataillon sind in der Akte R19/322 im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde enthalten.

 

Die genannte Meldung vom 08.11.1944 erfolgte anlässlich einer Verwundung ("Streifschuss an der rechten Schulter") die Adolf Faltin bei Gefechten in Staro-Topolje erhalten hatte. Der Angriff auf Staro Topolje am 8.11.1944 war das Kernstück einer groß angelegten Aktion der 12. Slawonischen Stoß-Division der Volksbefreiungsarmee (vier Brigaden mit ca. 5000 Partisanen), mit dem Ziel, die etwa 7 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Sapci und Andrijevci unbrauchbar zu machen. Dabei war die 12. Slawonische Brigade beauftragt das Dorf Staro Polje zu erstürmen, das laut jugoslawischen Angaben von etwa 600 Polizisten (sogenannte "Gestapo-Leute") und einem NDH-Bataillon (Bataillon des Unabhängigen Kroatien) verteidigt wurde.

 

Der Angriff begann um 22 Uhr und endete viereinhalb Stunden später mit einem Rückzug der Partisanen auf ihre Ausgangsstellungen. Der Hauptgrund für das Scheitern des Angriffs lag an der unerwarteten Präsenz eines Panzerzuges, der den Partisanen jeglichen Zugang zu den deutschen Stellungen verwehrte. Die Gesamtverluste der Division betrugen 4 Tote, 66 Verwundete, und 7 Vermisste. Verluste der NDH-Einheiten beliefen sich auf 5 Tote, 7 Verwundete, und 1 Vermisster (Verluste der Polizei sind leider nicht erwähnt).

(Quellen: - Zbornik dokumenata i podataka NOR-a (Belgrad: VII, 1967), Bd. V, Teil 35, S. 79, 108-113 (Angriffsbefehl, bzw. Einsatzbericht 12. Division NOVJ, 7.. bzw. 10.11.1944), 695 (Tagesmeldung MINORS, 11.11.1944); - Zdravko B. Cvetković, Osječka udarna brigada (Belgrad: VIZ, 1981), S. 123.)

 

Die Verwundung, die Adolf Faltin bei den Kämpfen um Staro Topolje erhalten hatte, war womöglich Glück im Unglück. Aufgrund der Verwundung ist er womöglich in den Westen verlegt worden. Im Gebiet um Staro Topolje aber, kam es später zu schweren Kämpfen, die viele seiner Kameraden nicht überlebt haben. Vom 24.03.1945 bis zum 25.04.1945 ist ein Aufenthalt im Reservelazarett Uetersen in Holstein nachgewiesen. 

 

Neben dem "Eisernen Kreuz" war Adolf Faltin Träger des sogenannten "Bandenkampfabzeichens" (einer Auszeichnung für Teilnehmer am Kampf gegen Partisanen) des "Zvonimir-Ordens" und der "Tapferkeits- und Verdienstauszeichnung für Angehörige der Ostvölker". 

5.1.4 Heinrich Faltin

Heinrich Faltin, ca. 1935
Heinrich Faltin, ca. 1935

IN ARBEIT ....

 *16.09.1910 in Kreis Mosier, Russland

+05.03.1945 gefallen auf der Halbinsel Hela in Westpreussen.

 

 

Heinrich Faltin

 

Steuerkarte 1936:

Geboren am: 16.09.09

 

Oschlinan (Russland)

 

Das Geburtsdatum ist falsch. Heinrich Faltin wurde am 16.09.1910 geboren. Dies geht aus der Feldpostkarte seines Bruders zu seinem 34. Geburtstag 1944 hervor.

 

Der Ortsname „Oschlinan (Russland)“ taucht in dieser Form nur auf diesem Dokument auf. Interessant ist, dass der Ort in Russland gelegen haben soll. Diese Information kann nur von Heinrich Faltin selber stammen.

 

Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht

 

„Heinrich Faltin, geb. am 16.09.1911 in Olschienen“

 

Diese Angaben dürften aus dem Wehrmachtsausweis von Heinrich Faltin stammen. Das Geburtsjahr ist wieder falsch angegeben.

 

Der Ortsname „Olschienen“ existierte in Ostpreussen, z.B. bei Ortelsburg. Dieser Ortsname wurde auch von Adolf Faltin als sein Geburtsort verwendet. Laut KB sind aber Heinrich und Adolf Faltin dort nicht geboren. Vermutlich sollte dieser Geburtsort ihnen eine Reichsdeutsche Herkunft bestätigen.

 

 

Deutsches Rotes Kreuz, Generalsekretariat Suchdienst München

 

„Heinrich Faltin, geb. 16.09.1911 in Olschienen, Kr. Mosiev /Ostpreussen“

 

Das Geburtsjahr ist mit 1911 falsch angegeben. Der Ort „Olschienen“ stimmt mit den Angaben der Dienstelle oben überein. Allerdings kommt hier noch ein „Kreis Mosiev“ in „Ostpreussen“ hinzu. Einen „Kreis Mosiev“ gab es nicht in Ostpreussen.  Der Name Mosiev ist vermutlich verlesen und muss richtig „Mosier“ heissen.

 

 

Heiratsschein, Reg. Nr. 12, 1936

 

Heinrich Faltin (aus Wosnitzen)

„Geb. am 16.09.1911 in Olschienen, Kreis Mosier“

 

 

Dies sind offenbar die offiziellen Lebensdaten von Heinrich Faltin. Das Geburtsjahr ist vermutlich falsch. Der Geburtsort ist mit „Olschienen“ angegeben der in einem „Kreis Mosier“ gelegen hat.

 

Ehe mit Minna Behnert

Minna Faltin (neé Behnert), 1927
Minna Faltin (neé Behnert), 1927

5.1.5 Ottilie Faltin

Ottilie Faltin, ca. 1950
Ottilie Faltin, ca. 1950

Ottilie Faltin

 

Registrierschein Nr. 69/61, 62, 64 + 65, Grenzdurchgangslager Friedland

 

Ottilie Michalowski, geb. Faltin

Geb.-Datum: 24.03.1915

Geburtsort: Olschien/Krs. Mosier/Ukraine

6. Adelaide Friederike Alexandra (Sascha)

* 13.04.1857 (01.04. a.D.) in Tschetschersk, (Südöstlich von Minsk), Gouvernement Mogilev, heute Oblast Gomel

+ 06.06.1944 in Apolda, beerdigt in Weimar, Wohnte zuletzt in Stobraer Str. 65/67, Apolda (Altenheim, Carolinenheim)

 

oo 12.11.1884 in Weimar (St.-Amt Weimar I, Nr 113/1884) Dr. med. Christian Friedrich Wolfgang Burckhardt, * 19.07.1840 in Remlingen, + 19.04.1900 in Würzburg, beerdigt in Weimar, Praktischer Arzt und Augenarzt